Reporter Eutin
18. März 2017 | Allgemein

Ein Plädoyer für den Waldkindergarten

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Anhand ihres Themas „Müll im Wald“ erklärten Mascha Benning (li.) und Ann-Sophie Meyer die vielfältigen Lernmöglichkeiten vom Sammeln übers Sortieren, dem Bauen einer Skulptur bis hin zum Bepflanzen.

Anhand ihres Themas „Müll im Wald“ erklärten Mascha Benning (li.) und Ann-Sophie Meyer die vielfältigen Lernmöglichkeiten vom Sammeln übers Sortieren, dem Bauen einer Skulptur bis hin zum Bepflanzen.

Preetz (sh). Die aktuelle Diskussion über die Zulässigkeit eines Bauwagens einer Waldkita bei Rendsburg passte perfekt in den Unterricht zweier Oberstufenklassen der Sozialpädagogischen Assistenten (SPA) im BBZ Preetz. Mehrere Wochen lang setzten sich die angehenden SPAs mit dem pädagogischen Konzept des Waldkindergartens auseinander. Ihre Ergebnisse präsentierten sie vergangene Woche einem interessierten Publikum. Die Idee einer „Kita ohne Wände“ stamme aus Dänemark und sei ein noch recht junges Konzept – der erste staatlich anerkannte Waldkindergarten startete 1993 in Flensburg, erklärten die Lehrkräfte Nicola Borck und Michael Baerwald zur Einführung. Damit einher gingen eine Reihe von Vorurteilen, die sich bis heute hartnäckig halten: Die Zerstörung der Natur, Störung der Tiere, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Disziplin und Defizite in der Entwicklung. Für ihre Untersuchungen hatten die einzelnen Projektgruppen in Waldkitas hospitiert, die Mitbegründerin und Erzieherin der Preetzer „Wühlmäuse“ Jutta Schack-Juhlke sowie Eltern und Grundschullehrer befragt und es wurden wissenschaftliche Studien ausgewertet. Die Ergebnisse sind vor allem im Hinblick auf die oft angezweifelte Schulfähigkeit von Waldkindern interessant. So bietet allein das Umfeld – die Natur – in jeder Hinsicht ideale Voraussetzungen, um vielschichtige Bildungsinhalte zu vermitteln. Eine „Kita ohne Wände“ sorge durch den geringen Lärmpegel für eine stressfreie und aggressionslosere Umgebung und bietet viele Rückzugsmöglichkeiten. Die Natur entspricht der kindlichen Neugier und biete ganz andere Möglichkeiten zum Toben, zur Schulung der Sinne und dem Ausleben der eigenen Fantasie. Ein Stock wird da schon mal zum Schwert, zur Angel oder zum Zauberstab. Die Kommunikation und soziale Kompetenz wird im freien Spiel gefördert, Konflikte schneller gelöst und Regeln werden besser eingehalten als in einer „Drinnen“-Kita. Allen Anforderungen im Bildungsbereich trägt das Wald-Konzept Rechnung. Die Natur bietet für die motorische Entwicklung über „Stock und Stein“, Bäume klettern und über Gräben springen einen idealen Rahmen; die Orientierung im Gelände, das Erfassen von Mengen, Tierspuren lesen, das Schreiben von Zahlen in den Sand und nicht zuletzt die vier Jahreszeiten böten alles, was die Bildungsleitlinien vorschlagen. Zudem stärke der Aufenthalt in der Natur das Immunsystem. Waldkinder hätten in allen Bereichen einen Vorsprung zu Mitschülern aus Regelkindergärten, kamen die angehenden SPAs zum Ergebnis. Durch ihre Neugier und ihre Lernwilligkeit könnten sie leichte Defizite in der feinmotorischen Kompetenz schnell wieder aufholen. Gerade im Hinblick auf die heutige Reizüberflutung und den Medienkonsum böten Waldkindergärten eine große Chance: Sie fördern Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und nachhaltiges Naturverständnis. Grundschullehrer berichteten, Waldkinder seien aufmerksamer, konzentrierter, kreativer und könnten Regeln besser einhalten – sie hätten eine hohe soziale Kompetenz. Das Fazit der Schüler: Waldkindergartenkinder sind bestens auf die Grundschule (und auf das Leben) vorbereitet.



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