Petra Remshardt

„Spieglein, Spieglein in der Hand“

Neustadt. Was hat Kommunalpolitik mit Spiegeln zu tun? Das mag sich der eine oder die andere um den 15. September herum fragen. Mit einer ungewöhnlichen „Spieglein, Spieglein“-Aktion rufen die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Ostholstein die Frauen ihrer Gemeinden auf, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Unterstützt von zahlreichen Politikerinnen und Frauengruppen verteilen sie rund um den Tag der Demokratie Handspiegel. Beim Aufklappen sieht sich jede Frau selbst in die Augen und liest dabei: „Spieglein, Spieglein in der Hand, bin ich die nächste Kommunalpolitikerin im Amt?“.
In Neustadt findet die Aktion am Freitag, dem 15. September ab 10 Uhr auf dem Wochenmarkt statt.
„Wir möchten Werbung für das politische Ehrenamt machen und Frauen ermutigen, in der Kommunalpolitik aktiv mitzumischen“, erklärt Silke Börke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fehmarn, die Aktion. In der Kommunalpolitik werden Entscheidungen getroffen, die direkt das Leben in der Stadt beziehungsweise Gemeinde betreffen.
„Frauen scheuen oft den Weg in die Gremien, zweifeln, ob sie die richtige Kompetenz mitbringen, und wägen ab, ob sie das politische Ehrenamt mit der Familie unter einen Hut bringen können“, erläutert Natalia von Levetzow, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Neustadt. So kommt es, dass in Ostholstein zu mehr als 75 Prozent Männer entscheiden, was in den Gemeinden passiert. Sie stimmen ab über Kita-Gebühren, diskutieren und fassen Beschlüsse zum Ausbau von Schulen, zum öffentlichen Nahverkehr, über Barrierefreiheitskonzepte, die Tourismusabgabe und vieles mehr. Dabei denkt Frau bei Entscheidungen der Gemeindevertretungen nicht selten „Das würde ich anders machen!“.
„Politik braucht Frauen“, sagt Nina Scholl, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oldenburg, „Frauen haben bei vielen Themen einen anderen Blickwinkel, andere Interessenschwerpunkte, andere Lebenserfahrung. Ihre Beteiligung in politischen Gremien ist unverzichtbar, wenn wir gleichberechtigte Politik wünschen“.
 
Die nächsten Kommunalwahlen sind am 6. Mai 2018. Ab Herbst werden vor Ort die in den Wahlkreisen unmittelbar wählbaren Frauen und Männer bestimmt und in den Mitgliederversammlungen der politischen Parteien beziehungsweise Wählergemeinschaften die Listenplätze vergeben. Auch die Mitarbeit als bürgerliches Mitglied einer Partei oder Wählergemeinschaft ist ein guter Einstieg in das politische Geschehen vor Ort.
Frauen, die sich näher zu den Aufgaben einer Kommunalpolitikerin informieren möchten, können sich gerne an die Gleichstellungsbeauftragten in den Kommunen als erste Ansprechpartnerinnen wenden, betont Silke Meints, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Ostholstein. Und weist darauf hin: „Auch der Verein ‚Kommunalpolitisches Frauennetz Ostholstein‘, kurz KopF-OH, bietet Frauen auf dem Weg in die Politik Unterstützung an.“ Angebote, wie zum Beispiel Seminare, Erfahrungsaustausch oder Infos zu Mentoringprogrammen finden Sie auf den Internetseiten der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und bei www.kopf-oh.de. (red))


Weitere Nachrichten aus Neustadt in Holstein

UNTERNEHMEN DER REGION

Meistgelesen