Reporter Timmendorf

Bauausschuss der Gemeinde Timmendorfer Strand verhindert Baubeginn des EDEKA-Marktes im Spätsommer 2016

Enttäuschung nach der Bauausschuss-Sitzung: Martin Jellinghaus (technischer Leiter, vorne von links), Reimer Jens sen., Reimer Jens jr. und Mitarbeiter vor dem Rathaus in Timmendorfer Strand. (Foto: René Kleinschmidt)

Enttäuschung nach der Bauausschuss-Sitzung: Martin Jellinghaus (technischer Leiter, vorne von links), Reimer Jens sen., Reimer Jens jr. und Mitarbeiter vor dem Rathaus in Timmendorfer Strand. (Foto: René Kleinschmidt)

Timmendorfer Strand/Niendorf. „Im nächsten Jahr wird es keinen Edeka-Markt in Niendorf/Ostsee geben,“ lautet das Fazit von Reimer Jens, geschäftsführender Gesellschafter der Jens Markt GmbH & Co KG. Das ist auch das Ergebnis der jüngsten Bauausschuss-Sitzung am vergangenen Donnerstag, da die Mitglieder des Bauausschusses der Gemeinde Timmendorfer Strand in einer turbulenten Sitzung ihren eigenen Beschluss zu einem Parkdeck auf dem Supermarkt-Dach kippten und nun den Bau einer Tiefgarage fordern. Investor Reimer Jens hatte bereits einen Bauantrag beim Kreis gestellt. Ein Baubeginn war für September 2016 vorgesehen, die Eröffnung des neuen Supermarktes, als Vollversorger für Niendorf/Ostsee, war zu Ostern 2017 geplant.
 
Jetzt ist mit einer weiteren Verzögerung von mindestens einem Jahr zu rechnen. Auch der fünfstellige Betrag für die Kosten des Bauantrages sind nun umsonst gezahlt worden. Die Jens GmbH & Co KG mit Sitz auf Fehmarn betreibt insgesamt acht Edeka-Supermärkte, darunter auch den Frischemarkt Jens in Niendorf/Ostsee. Im Jahr 2006 hat die familiengeführte GmbH den damaligen Einkaufsmarkt in der Strandstrasse übernommen. „Die Gemeinde Timmendorfer Strand war damals bemüht einen Nachfolger zu bekommen, um das Geschäft vor der Schließung zu bewahren,“ berichtet Geschäftsführer Reimer Jens jr. Auf rund 300 m² Verkaufsfläche kann aber derzeit nur ein eingeschränktes Sortiment angeboten werden. „Bei der Übernahme haben wir mit der Gemeinde einen Vertrag geschlossen, in dem festgehalten wurde, dass wir den Erstzugriff erhalten, sollte es durch eine B-Plan-Änderung zu einer Möglichkeit für einen Neubau kommen.“ In einer Bauausschuss-Sitzung im September 2015 wurde der Weg im dritten Anlauf frei gemacht, nachdem die Änderung des B-Plans beschlossen wurde. Die Ausschuss-Mitglieder stimmten für ein Parkdeck, das für Mitarbeiter und Parkplatz-Dauermieter vorgesehen ist - anstelle der Ursprungsplanungen mit Gründach und einer Tiefgarage (mit einer Gegenstimme der Grünen).
 
Mit einem Baubeginn im Herbst 2016 hätte der neue Einkaufsmarkt mit einer Verkaufsfläche von 1.200 m² im Frühjahr 2017 hinter dem jetzigen Markt an der Strandstraße - westlich der Sydowstraße - eröffnet werden können. Doch daraus wird nun nichts mehr. Inzwischen baut die Gemeinde eine Erschließungsstraße von der B 76 zum künftigen Supermarkt und neuen Großparkplatz Ost. Bei den Kosten für die Anbindung an die Bundesstraße muss sich die Firma Jens ebenfalls mit einer größeren Summe beteiligen. Der alte „Sdyowstraße-Parkplatz“ wurde von der Gemeinde ausgebaut und bietet mit 160 Stellplätzen direkt an der B 76 jetzt mehr Parkraum als zuvor („der reporter“ berichtete). Dieser neue Großparkplatz soll bereits am 17. Juni - zwei Wochen früher als geplant – freigegeben werden und ist dann von der Bundesstrasse anfahrbar.
 
Ab Herbst werden 80 weitere Parkplätze von der Gemeinde vor dem geplanten Markt gebaut. Nachdem in den letzten zwei Ausschuss-Sitzungen Überlegungen zum Stellplatz-Nachweis angestellt wurden und die Grünen und direkte Anwohner erneut ein Gründach ins Gespräch brachten, ist der geplante Edeka-Markt wieder zum Thema in den politischen Gremien geworden. Die Firma Jens müsste für den neuen Markt 87 Stellplätze auf dem eigenen Grundstück nachweisen und somit auf dem Parkdeck. Das Angebot von Jens, statt vermieteter Stellflächen kostenlose Parkplätze für Tagesgäste zur Verfügung zu stellen, wurde von den Ausschussmitgliedern nicht angenommen. Durch das Parkdeck befürchten Anwohner mit Lärmemissionen belastet zu werden, hieß es, und das obwohl ein Schallschutzgutachten vorlag und vorgegebene Werte nicht überschritten werden. Die Forderungen, den Markt jetzt doch mit einer Tiefgarage zu bauen, wurden lauter. Außerdem befürchteten direkte Anwohner, dass der Bau mit Parkdeck zu hoch werden würde. Das stellte aber Martin Jellinghaus, technischer Berater der Jens GmbH & Co KG, richtig: „Mit einer Tiefgarage wird der Bau sogar um 50 Zentimeter höher.“ Weiter sagte er: „Ein Jahr ist verloren, denn im B-Plan ist das Parkdeck enthalten, wie es im September 2015 von Ihnen beschlossen wurde.
 
Wird dies jetzt rückgängig gemacht, dann müsste auch der B-Plan erneut geändert werden.“ Bürgermeisterin Hatice Kara sagte: „Es ist im Interesse der Gemeinde, dass der Markt jetzt kommt.“ Des Weiteren sprach sie das Beitragsrecht an und dass bereits Ablöseverträge verteilt worden. Reimer Jens jr. machte keinen Hehl daraus, dass der Bau einer Tiefgarage 500.000 Euro Mehrkosten verursachen würde. „Das Niendorfer Projekt ist schon jetzt mit 50 Prozent Mehrkosten teurer als zuvor geplant,“ so Jens. Während einer längeren Diskussion wurde auch die Zahlung einer Ablöse für gemeindeeigene Parkplätze in Betracht gezogen. Und da kein Fahrstuhl zum Parkdeck geplant sei, wäre eine Barrierefreiheit nicht gegeben. „Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kindern parken direkt vor der Tür auf den ausgewiesenen Parkplätzen,“ berichtete Reimer Jens junior.
 
Nach einer Sitzungsunterbrechung unterbreitete Jens den Vorschlag, auf das Parkdeck eine Begrünung zu schaffen und für zusätzlichen Schallschutz zu sorgen, dies wurde nicht angenommen. Auf den Vorschlag von Gudula Bauer (CDU), eine Sondersitzung einzuberufen und sich zuvor in den Fraktionen zu beratschlagen, während die Gemeindeverwaltung Gespräche mit der Firma Jens führen sollte, antwortete Reimer Jens: „Wenn wir jetzt weiter verschieben, wird es nächstes Jahr keinen Jens Markt in Niendorf geben. Wir brauchen heute eine Entscheidung!“ Mit den Stimmen von CDU (Rainer Steen, Gudula Bauer, Ingo Muuß, Holger Ahrens), WUB (Andreas Müller, Mirko Spiess, Martin Pannewig), Grünen (Jan Karthäuser) und Neue Perspektive (Frank Theunissen) wurde schließlich die „6. Änderung des Bebauungsplanes Nr. 20 mit Festsetzung einer Tiefgarage“ beschlossen. Die beiden SPD-Vertreter (Peter Ninnemann, Christian Härtel) enthielten sich. Reimer Jens jr. bedauert nach der Sitzung die Entscheidung der Politik und ist sichtlich enttäuscht: „Jetzt konzentrieren wir uns erst einmal auf das Sommergeschäft in unseren bestehenden Filialen und dann schauen wir, wie es weitergeht. Wir müssen das gesamte Vorhaben grundsätzlich neu durchrechnen. Trotzdem halte ich derzeit an dem Projekt fest.“ R.K.


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