Marco Gruemmer

„Das Haus hat eine Geschichte zu erzählen“ - Denkmalplakette für alte Wohnkate in Kassau

Zeigen stolz die Denkmalplakette: Dorothea und Dieter Klaus mit Landeskonservator Dr. Michael Paarmann (re.)

Zeigen stolz die Denkmalplakette: Dorothea und Dieter Klaus mit Landeskonservator Dr. Michael Paarmann (re.)

Kassau. Sie ist geschätzt rund 250 Jahre alt und wurde in den Anfangsjahren als Unterkunft für Angestellte des Gutes Sierhagen gebaut. Ein Reitknecht mit seiner Frau waren Nachforschungen zufolge die ersten Bewohner. In Kassau, Steinklippen 3 steht eine alte Wohnkate, die nicht nur denkmalgeschützt ist, sondern aus ihren ehrwürdigen Mauern heraus auch eine Geschichte zu erzählen hat. „Wir haben uns sofort in das Haus, auf das uns eine Freundin aufmerksam gemacht hat, verliebt“, sagen Dieter und Dorothea Klaus, seit 1987 Eigentümer des Gebäudes.
 
„Das seit 1983 als Kulturdenkmal bewertete Haus war damals in einem Zustand, den man heute als stark sanierungsbedürftig beschreiben würde“, erzählt Dieter Klaus. Mit einer Ofenheizung, einer Feuerstelle in der Küche, Strom und fließend Wasser nur in einem Zimmer sowie einem Plumpsklo im Nebengebäude nagte der Zahn der Zeit an der Kate. „Trotzdem hatten wir schnell eine besondere Beziehung zu dem Haus. Für uns war es ein Rohdiamant“, so die Eheleute Klaus, die mithilfe eines Architekten, Kreisdenkmalpflege und kompetenten Fachkräften die Modernisierung angingen und unter anderem die Fenster erneuerten, eine Fußbodenheizung einbauten und das komplette Fundament, während das Haus auf Stelzen stand, neu gossen. Heute hat die schmucke Wohnkate mit Nebengebäude, hier wurde aus einem Schweinestall ein Appartment, eine Nutzfläche von 127 Quadratmetern.
 
Die mühevolle Renovierung dauerte insgesamt fünf Jahre. „Dabei habe ich viel in Eigenregie erledigt. Ansonsten hätten wir die Kosten nicht stemmen können“, berichtet Dieter Klaus. Der ganze Einsatz wurde nun gewürdigt. Landeskonservator Dr. Michael Paarmann übergab dem Ehepaar Klaus die Denkmalplakette Schleswig-Holsteins, die das Landesamt für Denkmalpflege seit 2014 vergibt. „Wir möchten damit Danke sagen für die Bewahrung und Erhaltung des kulturellen Erbes und Denkmäler kenntlich machen“, sagte Dr. Michael Paarmann. Die erste Plakette dieser Art ging 2014 an das Landeshaus in Kiel, seitdem wurden bislang rund 60 weitere Objekte in Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Die Zahl der Denkmäler liegt allein in Ostholstein zwischen 500 und 700.
 
Noch ein paar Sätze zur Geschichte. Die Frau des Reitknechts nutzte die Räumlichkeiten 1829 zusätzlich, um dort Mädchen ab 12 Jahren im Stricken zu unterrichten. Als die Zahl der Mädchen immer mehr anstieg, wurde 1839 ein Raum angebaut, um dort eine Strickschule einzurichten. Schriftstücke zu diesem Vorgang entdeckte Dorothea Klaus im Neustädter zeiTTor-Museum. Im Laufe der Zeit wohnten in der Kate immer wieder Angestelltes des Gutes Sierhagen. Letzte Eigentümerin war eine 85-jährige Frau, die das Haus an Familie Klaus verkaufte. (mg)


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