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Finanzspritze von 30.000 Euro bringt Sanierung in Schwung

Die Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Bernd Tode und Pastor Lutz Thiele nahmen den symbolischen Spendenscheck von Wolfgang von Ancken, Kurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, entgegen.

Die Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Bernd Tode und Pastor Lutz Thiele nahmen den symbolischen Spendenscheck von Wolfgang von Ancken, Kurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, entgegen.

Bild: Schneider

Plön (los). Die Plöner Kirchengemeinde freut sich über Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) für die dringenden Maßnahmen an ihrem „Notfallpatienten“, der Nikolaikirche. Für das Gotteshaus wurde ein Förderbetrag von 30.000 Euro bewilligt. Über die Hintergründe informierten Pastor Lutz Thiele, Bernd Tode, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderats, und als Vertreter der DSD Wolfgang von Ancken, Ortskurator Kiel. Zugleich nutzten sie die Übergabe des symbolischen Schecks, um weitere Unterstützer zu gewinnen.

Ein umfangreiches Sanierungskonzept liegt vor und führt den finanziellen Aufwand vor Augen: So belaufen sich die errechneten Gesamtkosten einer Umsetzung auf rund drei Millionen Euro. Dabei geht es ans Eingemachte, die Bausubstanz.
Zentrales Problem ist die Statik. Konstruktionsbedingt drückt der Dachstuhl einschließlich des Tonnengewölbes auf die Außenmauern und diese auseinander. Sie weisen bereits Schädigungen wie Risse, Verformungen der Wände und marode Ziegelsteine in der Außenfassade auf. Auch Säulen der Portale bedürfen der Sanierung.

Gegenstand der zwischen beiden Seiten vereinbarten Fördermaßnahme seien daher die dringend erforderlichen, nicht aufschiebbaren Arbeiten zur statischen Ertüchtigung der Dachkonstruktion, verdeutlichte Wolfgang von Ancken. Allein für dieses Problem betrage der Sanierungsaufwand mehr als eine Million Euro, so das Ergebnis eines Gutachtens, erklärte Pastor Lutz Thiele.

Zudem betreffen die dringenden Sanierungsschritte nicht nur die Dachkonstruktion, sondern auch schadhafte Fenster und eingesickerte Feuchtigkeit. Ein weiteres Problem: Hausschwamm war bereits bei der letzten Dacheindeckung, die vor rund 24 Jahren erfolgt war, entdeckt und behandelt worden. Jetzt bestehe jedoch die Gefahr, dass der Pilz in dem feuchten Milieu wieder aufblühen könnte, erläuterte Thiele. Das Mycel wäre imstande, nicht nur marodes Holz sondern auch Ziegelwände zu durchwachsen.
„Vor diesem Hintergrund hat die DSD schnell entschieden, die jetzt anstehenden statischen Notmaßnahmen zu unterstützen“, unterstrich Wolfgang von Ancken. Ermöglicht werde dies dank zahlreicher, vor allem privater Spenden. Hinzu kämen die Erträge aus den Treuhandstiftungen in der DSD und insbesondere die Mittel aus der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto. Gerade letztere sei für die DSD sehr wichtig, verdeutlichte von Ancken. Seit 20 Jahre gebe es einen Generalvertrag der Glücksspirale mit der DSD. Daraus ergab sich, dass diese als „wesentlicher Geldgeber für diesen jährlichen Topf“ an Bedeutung erlangte.

Die DSD setzte sich seit 1985 für den Erhalt von Bau-, Boden- und Gründenkmalen ein und führt auch Schul- und Jugendprogramme sowie den „Tag des offenen Denkmals“ durch. Seit ihrer Gründung sei es ihr gelungen, rund 6500 Denkmale mit mehr als 750 Millionen Euro in Deutschland zu fördern. So auch die Nikolaikirche in Plön.

Inzwischen wurde das Auseinanderdriften durch Verschraubungen im Gebälk aufgehalten. 17 Sparren tragen die Hauptlast, erläuterte Thiele. Da diese nun verschraubt wurden, habe der Druck gestoppt werden können. Erforderlich sei als Nächstes die Überarbeitung des Dachstuhls im Übergang zum Mauerwerk, rund um das ganze Dach. Dafür werde das Dach stückweise aufgenommen. Spätestens Ende 2026 solle dieser erste Bauabschnitt – das Dach – fertig sein. Ist die Maßnahme erledigt, können die übrigen Bauabschnitte folgen. Weiterhin werbe die Kirchengemeinde bei Stiftungen um Förderung. Auch müsse sie ihren Eigenanteil aufbringen und habe darum in Plön eine Spendenkampagne gestartet. Das Rühren der Werbetrommel trägt erste Früchte: Bereits 50.000 Euro Spenden seien dabei zusammengekommen.

Geschichtlicher Hintergrund: Die Bedeutung des Bauwerks und seine Einzigartigkeit erlaubten eine Förderung der Notsanierung durch die DSD nach ihren festgelegten Richtlinien, erläutert von Ancken. Die Nikolaikirche steht unter Denkmalschutz, ihr Baustil wird als neoromanisch bezeichnet. Das historische Gotteshaus wurde von 1866 bis 1868 an Stelle der Vorgängerkirche auf dem Marktplatz errichtet. Anlass für den Kirchneubau: Die ältere Kirche von 1691 war infolge eines Blitzeinschlags am 24. Juni 1864 ausgebrannt.

Jene ältere Kirche aus der Zeit der Plöner Herzöge ist in Teilen in St. Nikolai erhalten, etwa Grundmauern und Grüften. Statt gepflasterter Freiflächen und Parkplätze umgab sie ein Kirchhof, während als Marktplatz der untere Schlossberg zwischen Kirche und Rathaus genutzt wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde als Ersatz für den überfüllten Bereich des Kirchhofs ein Friedhof an der Eutiner Straße geschaffen. Um die Kirche entstand nach Auflösung des alten Kirchhofs der heutige Marktplatz.
Diese Kirche aus der Herzogzeit hatte ihrerseits eine ältere Kirche aus dem Mittelalter ersetzt. Deren erste Ausführung war bereits vor Jahrhunderten erfolgt.
1236 hatte der Marktflecken Plön das Lübsche Stadtrecht erhalten. Der alte Kirchenname St. Nikolai weist auf den Schutzpatron der Kaufleute und Seefahrer. Diese Benennung nach dem Heiligen Nicolaus wirft ein Licht auf den Flecken Plön als bereits etablierten und frequentierten Handelsort und lässt an hohe wirtschaftliche Erwartungen unter dem Einfluss der wachsenden Stadt Lübeck denken (während Kiel noch gar nicht existierte).

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