
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Plön. Die neue Sommerausstellung „Wer hat Angst vor Rot, Gelb, Blau“ des Plöner Kunstvereins ist insbesondere auch eine Hommage an den amerikanischen Maler und Bildhauer Barnett Newman. Durch ihn ließ Kurator Dieter Pape sich zu der Sommerausstellungsserie und ihrem Titel inspirieren. Und so lädt Pape auch in diesem Jahr nochmals dazu ein, sich auf die Grundfarben einzulassen und damit auseinanderzusetzen. So wie es der Namensgeber der Ausstellung tat: Barnett Newman entwickelte in den 1960-er Jahren die „Colourfield-Malerei“ als Stilrichtung des abstrakten Expressionismus. Und seine Serie „Who’s afraid of Red, Yellow and Blue?“ - „Wer hat Angst vor Rot, Gelb, Blau“ - machte sogar weltweit Schlagzeilen, allerdings erst in den 1980er Jahren und später. Denn sie fand nicht nur Bewunderer, sondern provozierte offenbar sogar Gewalt.
Ein großformatiges Newman-Gemälde, in den drei Grundfarben gestaltet, hängt in der Neuen Nationalgalerie Berlin, erzählt Dieter Pape. „Es war für 1,4 Millionen angeschafft worden“, erinnert er sich, „und die Bildzeitung konnte sich damals gar nicht einkriegen, dass wir dafür soviel ausgegeben haben.“
Dieser Vorspann motivierte einen reizbaren Besucher, selbst aktiv zu werden und das Gemälde in der Galerie schwer zu beschädigen. Und das Ereignis in Berlin blieb kein Einzelfall: „In Holland wurde ein Newman-Gemälde ebenfalls zerstört“, so Pape. Auch ein drittes Bild wurde 1997 in Amsterdam beschädigt.
Die Ereignisse deuten an, wie stark Farben auf die menschliche Gefühlswelt wirken können, ist Pape überzeugt. „Könnten wir keine Farben wahrnehmen, wäre da sehr viel weniger Ansprache an die Emotionen“, unterstreicht er. Die Auseinandersetzung mit den Grundfarben, sowohl seitens der Kunst, als auch der Betrachter, bildet somit den Hintergrund der Sommerausstellung im Kulturforum.
Mit dem verbliebenen Blau, die kühle Farbe des Himmels, des Meeres, der unendlichen Ferne und Tiefe sowie der Romantik und der deprimierenden Sehnsucht nach allem, was weiter, schöner und vermeintlich besser ist, hat Dieter Pape diesmal die womöglich beliebteste Farbe in den Mittelpunkt gerückt.
Nicht von ungefähr drückte der Welthit „...I pull my old blue Jeans on...“ von David Dandas, der den Song eigentlich für Jeans-Werbung in den 1970er Jahren komponierte, die emotionale Bandbreite rund um den Farbton aus. Die Jeansmode, die für sich schon Freiheits-, Fernweh- und Aufbruchaspekte aufgreift, bildet dabei nur eine Komponente. Schließlich seien auch Ärzte im OP heutzutage im blauen Kittel im Einsatz, erinnert Pape an den Ernst und die Seriosität bis hin zu hygienischer Sauberkeit, für die dieser Farbton ebenfalls steht. „Blau ist in allen Lebenslagen von Bedeutung“, unterstreicht Pape. Nur nicht im Supermarkt und Lebensmittelsektor: „Eine Ketchupfabrik hat mal versuchsweise blaues Ketchup hergestellt, fand aber keinen Absatz“, erzählt er.
Anders in der Kunst, zumal der modernen: „Da wurde Blau in unserer Zeit ganz vielschichtig ausgelegt.“ Und das in der jeweiligen ausgeprägten „Handschrift“ der gestaltenden Akteure, macht Pape deutlich. „Blau zählt da nicht für die Realität, sondern wird als Ausdrucksfarbe gedacht“, sagt er. „Los ging das im Expressionismus“, so etwa bei Franz Marcs „Turm der blauen Pferde“.
Um diesen schöpferischen Reichtum zu vermitteln, hat Dieter Pape Arbeiten von Künstlern der Region sowie nationaler und internationaler Künstler in der Sommerausstellung zusammengestellt. Und Prof. Uli Sommer, Naturwissenschaftler aus Plön und Mitglied im Kunstverein, spricht anlässlich der Vernissage über Blau aus den Blickwinkeln seines Fachgebiets. Über den Dreiklang der Grundfarben und was es mit „Blaumachen“ in der Kunst auf sich hat, informiert Prof. Valentin Rothmaler. Wer dann Lust auf eine inspirierende „Blaupause“ bei einem Rundgang in der „Alten Schwimmhalle“ bekommen hat, kann sich die Sommerausstellung im Schlossgebiet 1a noch bis 20. August 2023 ansehen. Das Kulturforum hat in dieser Zeit dienstags bis sonnabends von 14.30 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11.30 bis 18 Uhr geöffnet.