
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Eutin (aj). Das Tempo der letzten Monate und Wochen ist kaum zu toppen: Am 25. Januar ist Dr. Andreas Zabel in die CDU eingetreten, am 3. Februar hat er sich als Kandidat für die Kommunalwahl aufstellen lassen, am 14. Mai holte er das Direktmandat, wurde am 15. Mai von der CDU-Fraktion als Bürgervorsteherkandidat benannt und aller Voraussicht nach wird er am heutigen Mittwoch auf der Sitzung der Eutiner Stadtvertretung zum Bürgervorsteher gewählt. In den letzten Wochen ist er viel unterwegs gewesen, denn auch wenn er von seiner Frau und sich nach mehr als 15 Jahren in der Stadt sagt: “Wir sind jetzt Eutiner!”, eröffnet das angestrebte Amt eine Reihe neuer Perspektiven. Und Andreas Zabel, das strahlt er aus, steckt voller Vorfreude, sich darauf einzulassen und die Richtung mitzubestimmen, die die einzelnen Projekte nehmen werden: “Es ist ein hochpolitisches Amt und ich habe den Anspruch mitzugestalten”, unterstreicht er.
Diese Lust zu gestalten geht einher mit einem großem Respekt vor der demokratischen Auseinandersetzung: Diskussionen zu lenken, mit einem Blick von außen Vorgänge zu strukturieren und zu leiten sieht er als wesentliche Aufgabe eines Bürgervorstehers. Um Worte ist er nicht verlegen, es ist ein kommunikativer Mensch, der sich da in einem ausführlichen Gespräch vorstellt: Zabel ist Chirurg, sein Fachgebiet ist die Gefäßchirurgie, seine letzte Stelle als Chefarzt war die Asklepios-Klinik in Weißenfels bei Leipzig. In gewisser Weise schloss sich damit ein Kreis in der Familienbiographie: 1953 verließ seine Familie Sachsen-Anhalt, Zabel ist in Köln geboren, noch vor Beginn der Schulzeit zog die Familie nach Hamburg. Schule, Abitur, Bundeswehr und Studium absolviert er in der Hansestadt. Und er findet an der Hanseatischen Segelschule eine Passion fürs Leben. Er will wissen, wie ein Körper funktioniert und er tut, was er kann, um es herauszufinden.
Ein manueller Typ sei er, die Arbeit mit den Händen ist seine Stärke. In seine spätere Funktion als Oberarzt und Chefarzt bringt er auch das Wissen einer zweijährigen Tätigkeit als Pfleger ein. Nach Ostholstein kommt er 1999 an die Mühlenbergklinik nach Malente, Anfang der 2000er wechselt er an die Sanaklinik, arbeitet in Oldenburg, Eutin und Lübeck. Als Chefarzt hat er die Chance, unter einen Hut zu bringen, was ihm wichtig ist: Die medizinische Effizienz des Chirurgs, die Ansprüche der Patient*innen, die Interessen der Geschäftsführung. Er beweist seine Führungsqualitäten, muss ausgleichen, vermitteln, Klartext reden. Seine Haltung: “Der wichtigste Mensch ist immer der, der vor dir sitzt.” Für die Klinik findet er das Bild eines großen Schiffs. Kein Wunder, ist doch das Segeln sein Ausgleich. 2006 überquert er als Teil eines 20köpfigen Teams den Atlantik auf einer 62-Fuß-Yacht: “Allein ist man gar nichts”, meint er ruhig. An seinem Sport schätzt er die Geschäftigkeit eines Hafens genauso wie die Stille. Wenn der Wind in die Segel fällt, kann er in der Konzentration alles vergessen. Fokussiert zu sein, zu entscheiden, was zu tun ist, um ans Ziel zu kommen, so sieht er auch die Arbeit eines Bürgervorstehers.
Konkret und auf Eutin bezogen, bedeutet das: “Es sind Prioritäten zu setzen!” Welche würden das sein für einen Bürgervorsteher Andreas Zabel? “Die Sicherheit der medizinischen Versorgung muss gewährleistet sein. Für die Wisserschule soll in diesem Jahr beschlossen werden, wo gebaut werden wird”, sagt er. Auch auf der Liste: Der Klimaschutz. Heißt: Photovoltaik für Neubauten, ein Wärmenetz. Und möglichst unbürokratisch soll es dabei zugehen. Wer solche Prioritäten setzt, scheut sich nicht, eine Warteliste zu besetzen: “Die Mühle wurde gekauft, ohne dass es ein ausgereiftes Konzept gibt: Dann steht sie halt erst einmal ein Jahr leer. Und die Schlossterrassen sind an der Reihe, wenn der Rest abgearbeitet ist”, meint Andreas Zabel. Um voranzukommen braucht es den Willen zum Kompromiss, Zabel hat dafür eine eigene Formulierung: “Es darf nicht jeder zweite Satz in der Stadtvertretung mit ‘Ich’ anfangen.” Das könnte als Maßgabe für alle Gewählten taugen. Um diese Haltung zu befördern, braucht es viel: “Ich habe Respekt vor dieser Aufgabe und ich freu ich darauf”, betont Zabel. Dass er ein auch Quäntchen Glück für eine fruchtbringende Amtsführung brauchen wird, weiß er als Arzt nur zu gut. Was gibt es noch zu sagen über den 66jährigen? Er scheut das Abenteuer nicht, unvernünftig wird er deshalb nicht: Das Motorradfahren hat er mit 60 Jahren sein lassen. Seine Frau ist OP-Krankenschwester, er hat einen Sohn und zwei Enkelkinder. Und wenn er heute Abend gewählt worden ist, hat man fünf Jahre Zeit, ihn besser kennenzulernen: “Ich bin offen und immer für ein Gespräch gut!”