
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Eutin (aj). Sie sind für viele die “Eutiner Aufklärer” und dass das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein” den Appell zum 65jährigen Bestehen am vergangenen Donnerstag auf dem Marktplatz abhielt, passt dann auch bestens zu diesem Attribut. Es war eine würdige Zeremonie, Unbeschwertheit konnte indes aufgrund der aktuellen Kriegslage in der Ukraine natürlich nicht aufkommen: “Wir befinden uns in einer turbulenten, kaum planbaren und sehr dynamischen Zeit”, konstatierte der Kommandeur des Bataillons, Dr. Hendrik Hoffmann, eingangs seiner Festrede und damit war der Ton gesetzt. Ein Ende des Krieges, so Hoffmann, sei noch lange nicht in Sicht. Für die Soldatinnen und Soldaten hat das unmittelbare Auswirkungen: „Immer wieder und immer kurzfristiger” fänden Verlegungen und Übungen in Litauen statt: „Mustergültig leisten wir damit unseren sichtbaren Beitrag zur Bündnisverteidigung”, betonte der Kommandeur.
Es ist nicht der einzige Einsatz außerhalb der Landesgrenzen. Eutiner Soldatinnen und Soldaten sind aktuell im Kosovo-Einsatz, ein Engagement, das seit 24 Jahren läuft, wie Hoffmann anmerkte: „Als vor 65 Jahren, am 1. Juni 1958, die spannende Geschichte unseres Bataillons begann, gab es keine vergleichbaren Auslandseinsätze”, unterstrich er und leitete damit einen Blick auf die Historie des Bataillons ein. Die beginnt 1958, der 2. Weltkrieg lag gerade erst 13 Jahre zurück. Die Bundeswehr war noch nicht mal zwei Jahre alt, die Bundesrepublik Deutschland erst seit drei Jahren Mitglied der NATO und heutige Verbündete, wie zum Beispiel Polen oder Rumänien gehörten dem Warschauer Pakt an. Kurz nachdem die Aufstellung des Aufklärungsbataillons 6 begann, wurde auch die Gorch Fock in Dienst gestellt. In den zurückliegenden 65 Jahren hat das Bataillon viele Spitznamen erworben: „Wir sind die ‚Aufklärer von Sechs’ im schönen ‘Eutin sur lac’. Wir sind dabei nicht besser, nur anders als die anderen, wir dienen dort wo andere Urlaub machen, und natürlich sind wir, als das einzige Bataillon des Heers in Schleswig-Holstein, auch das ‚Heer am Meer’ “, zählte Hoffmann auf. Drei Säulen machte er als charakteristisch für das Bataillon aus: Korpsgeist, Professionalität und die tiefe Verwurzelung in Ostholstein. Ein Selbstverständnis, das Halt gibt, gerade in stürmischen Zeiten, und das hilft, den Optimismus zu bewahren. Als Zeichen der Verbundenheit mit Eutin wurden nach dem Appell im Casino zwei „Lanzen“ übergeben. Lanzen sind ein fester Bestandteil der Kavallerietradition des Bataillons: „Sie verdeutlichen die Zugehörigkeit, zeigen die Richtung an, sie schützen, sie eskortieren”, erläuterte der Kommandeur.
Den ersten Mann im Rathaus verbinden ganz persönliche Erinnerungen mit dem Bataillon 6 „Holstein”: Sven Radestock leistete hier seinen Grundwehrdienst und lernte nach eigenem Bekunden nicht nur vom Truppenübungsplatz bis zur Badestelle ihm bis dato unbekannte Seiten von Eutin kennen, sondern konnte bei der Betreuung von Flüchtlingen aus der DDR auch Geschichte hautnah erleben. Angesichts des laufenden Air Defender-Manövers sagte der Bürgermeister: „Es zeigt, wie bedrohlich es um uns herum zugeht.” Für die Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz hat die Stadt Päckchen auf den Weg gebracht: “Mit kleinen Geschenken aus ihrem Eutin”, wie Radestock berichtete. Er schloss mit der mahnenden Bitte: „Wir dürfen nicht aufhören, an den Frieden zu glauben.” Mit Generalleutnant a.D. Roland Kather sprach ein ehemaliger Kommandeur. Er ordnete am Beispiel seines persönlichen Werdegangs ein, wie der „Reitergeist”, dem sich das Bataillon bis heute verpflichtet fühlt, modern interpretiert werden kann: „Vorne zu sein, da, wo es gefährlich wird, Pflichten zu übernehmen!” waren seine Worte, die er um Sachkenntnis im Umgang mit der Technik und eine zeitgemäße Menschenführung ergänzte, um festzustellen: „Diese Werte lebt das Bataillon.” Freundlichen Applaus gab es reichlich von den Umstehenden. Bei einem Tag der Offenen Tür werden alle Interessierten am 26. August Gelegenheit haben, in der Begegnung Inhalte zu vertiefen und hinter das Kasernentor zu schauen: „Sie sind herzlich eingeladen. Wir freuen uns auf Sie!”, lautete die Botschaft von Kommandeur Dr. Hendrik Hoffmann.